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am 19. April

Aufzug oder Stiegen?

Lisa Nina Kauba - Mobilitätseinschränkungen sind häufiger als wir glauben und betreffen uns früher oder später alle einmal. Darum ist Barrierefreiheit ein Thema, das uns alle angeht. Reden wir darüber!

Mobilitätseinschränkungen können in verschiedenen Formen auftreten und stellen schon an sich eine Schwierigkeit im Alltag dar. Umso wichtiger ist es also, dass unsere Umwelt in einer Art und Weise designt ist, die keine zusätzlichen Hindernisse aufstellt. Sind Stufen für die einen ein mehr oder weniger willkommenes Kardiotraining für zwischendurch, so bedeuten sie für andere ein unüberwindbares Hindernis. Doch die Stadt ist für uns alle da. In der Gestaltung unseres gemeinsamen Lebensraumes ist es also wichtig darauf zu achten, dass dieser auch für uns alle einfach und sicher zugänglich ist.


Was sind Mobilitätseinschränkungen?

Die meisten werden beim Wort Mobilitätseinschränkung wahrscheinlich sofort an Menschen denken, die Mobilitätshilfen, wie Rollstühle oder Gehstöcke verwenden. Das ist auch eine richtige Assoziation. Gleichzeitig zählen noch viele andere Dinge dazu. Ganz prinzipiell sind Mobilitätseinschränkungen - wie uns das Wort ja schon sagt - die Einschränkung von Mobilität, also der Bewegungsfähigkeit. Dies kann durch Krankheiten oder Verletzungen oder vorübergehende körperliche Verfassungen passieren. Lähmungen, Schmerzerkrankungen, Krankheiten, welche die Funktionalität bestimmter Körperteile einschränken, oder auch Probleme mit den Gelenken als Alterserscheinung oder Krankheitssymptom sind meistens Ursachen für dauerhafte Behinderungen. Ebenso können Schwangerschaft, Rückenschmerzen, Kreislaufprobleme, Übergewicht, Knochenbrüche, und vieles mehr die Mobilität vorübergehend einschränken.

Und während wir die Liste von Gründen, wie es zu einer Mobilitätseinschränkung kommen kann, ausfüllen, können wir einige wichtige Punkte feststellen.

1. Sie können dauerhaft oder vorübergehend sein. Die Dauer der Einschränkung sagt dabei aber nichts über ihre Validität aus. Ob man nun einen Aufzug verwenden muss, weil man wegen einem chronisch schmerzenden Kniegelenk eine Gehhilfe verwendet, oder weil man gerade unter Kreislaufschwierigkeiten wegen der Sommerhitze leidet. In beiden Fällen hat man das Recht barrierefrei, schnell und sicher durch die Stadt zu kommen.

2. Menschen aller Altersstufen sind betroffen. Egal ob eine 16-Jährige wegen einer chronischen Erkrankung im Rollstuhl unterwegs ist, ein 73-Jähriger einen Stock benötigt, oder ein 30-jähriger Vater sein Kind im Kinderwagen durch die Stadt in Richtung Park schiebt. Mobilitätseinschränkungen sind in jedem Alter möglich. Nur weil jemand jung und gesund aussieht, heißt das nicht, dass diese Person sich schmerz- und problemlos bewegen kann. 

3. Mobilitätseinschränkungen sind nicht immer sichtbar. Oftmals sind sie nicht offensichtlich oder werden nicht als solche erkannt. Manche chronischen Erkrankungen und Verletzungen können z.B. durch Schmerzen die Bewegungsfähigkeit einschränken, ohne dass dies von außen sichtbar wäre. Und dabei muss es sich nicht einmal um große Verletzungen handeln. Wer von uns hat nicht schon einmal wegen einer schmerzenden Blase and den Füßen, oder geschwollenen Beinen im Sommer, zu humpeln angefangen und hatte das Gefühl kaum noch gehen zu können? Wie viel schwieriger muss es da sein, mit chronisch schmerzhaften Erkrankungen, oder weitaus ernsteren Verletzungen durch die Stadt zu kommen?


Was können wir alle ganz konkret tun?


Da wir alle früher oder später einmal auf barrierefreie Zugangsmöglichkeiten wie Aufzüge, Rampen und Gehsteigabsenkungen angewiesen sind, manche von uns vielleicht nur vorübergehend, und andere von uns dauerhaft, sollte es uns allen ein Anliegen sein, eine barrierefreie, sichere und bequeme Stadt zu schaffen. Mobilitätseinschränkungen sind kein Thema, welches eine ominöse kleine Randgruppe betrifft, sondern eine Lebensrealität von, nun ja, uns allen. Nur eben in mehr oder minder ausgeprägter Form. (Anm. d. Aut.: Barrierefreiheit wäre aber trotzdem noch wichtig, selbst wenn es nur um eine kleine Gruppe gehen würde.)

Barrierefreiheit sollte darum ein Hauptthema sein, in der Politik, in der Stadtplanung, im Design von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Wohn- und Arbeitsraum. Doch leider bekommt es nur selten die nötige Aufmerksamkeit. Doch darüber reden ist der erste Schritt. Darüber, was wir alle brauchen, um uns sicher und bequem in der Stadt zu bewegen. Egal ob wir dies auf unseren eigenen Beinen tun, oder in einem Rollstuhl.

Ebenso ist es wichtig, dass solange man keine Mobilitätseinschränkung aufweist, man nicht unabsichtlich selbst zur Barriere für andere wird. Wenn man ZB: durchaus die Stufen zum nächsten Stockwerk zu Fuß ohne Schmerzen oder Probleme bewältigen kann und das auch tut, hilft man damit nicht nur der eigenen Fitness, sondern auch jenen, die gerade eben auf den Aufzug angewiesen sind. Ob jemand gerade eben auf den Aufzug angewiesen ist oder nicht, ist wie wir oben bereits festgestellt haben, nicht immer von außen sichtbar. Auch jung und/ oder unbeschwert aussehende Menschen können Schmerzen oder Funktions­einschränkungen haben, die das Erklimmen des Stiegenhauses erschweren oder gar gefährlich für sie machen. Wenn wir ehrlich und verständnisvoll auf uns selbst und andere achten, und die barrierefreien Zugänge nur dann benutzen, wenn wir sie tatsächlich gerade benötigen, ohne darüber zu urteilen, ob jemand anderes "mobilitätseingeschränkt genug" aussieht, dann tragen wir ganz aktiv dazu bei, dass alle von uns sicher, selbstbestimmt, schnell und bequem durch die Stadt kommen.



Hier noch ein wichtiger Tipp, den wir von Betroffenen gelernt haben:


Man darf und sollte Menschen mit Mobilitätshilfen nicht einfach ungefragt berühren und versuchen zu helfen, wo vielleicht keine Hilfe erwünscht ist. Wenn man z.B. eine Person mit Rollstuhl sieht, die sich gerade mit einer Barriere schwertut, dann schadet es nicht höflich zu fragen, ob Hilfe erwünscht ist. Aber den Rollstuhl einfach anzugreifen ist übergriffig und für die Betroffenen angsteinflößend. Denn wie würde man sich selbst fühlen, wenn plötzlich jemand kommt, einen einfach hochhebt und wegträgt? Der Rollstuhl ist für die Menschen, die ihn brauchen, sozusagen ihre Beine; das womit sie sich selbstbestimmt fortbewegen können. Und diese Selbstbestimmung darf man niemandem einfach wegnehmen. Darum immer zuerst fragen, und NUR wenn die Antwort "Ja, bitte! Schieben Sie mich an!" lautet, den Rollstuhl berühren. Dasselbe gilt natürlich auch für andere Mobilitätshilfen.

Und wenn jemand keine Hilfe möchte, es einfach nicht persönlich nehmen. Wir alle wollen Dinge alleine und selbstbestimmt tun.
Für den Fall, dass jemand Hilfe möchte, sollte man immer deutlich kommunizieren was gerade passiert. Beginnt man den Rollstuhl zu schieben, sagt man "Ich schiebe jetzt den Rollstuhl." Und lässt man wieder los, erklärt man: "Ich lasse jetzt den Rollstuhl wieder los." Denn man kann vom Rollstuhl aus nicht sehen was passiert. Und man vertraut der*dem Schiebenden im Prinzip die eigene Sicherheit an, wenn sie sich schieben lässt.


Interessante Links:

Barrierefreie Stadt Wien Portal: https://www.wien.gv.at/menschen/barrierefreiestadt/