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am 5. September 2017

Simmering wächst – Die Entwicklungen der nächsten Jahre

Andreas Fritsch - Wie entwickelt sich der Bezirk in den nächsten Jahren, wo wird gebaut und was soll erhalten bleiben? Einen Querschnitt der aktuellen Planungen möchten wir hier vorstellen.

Wien erlebt zur Zeit das schnellste Bevölkerungswachstum​ seit 1945. Nach jüngsten Prognosen​ soll schon 2022 die Zahl von zwei Millionen Einwohner*innen überschritten werden, die Stadt wird bis 2034 um die Größe von Graz (ca. 290.000 Menschen) wachsen. Der starke Zuzug (aus dem In- und Ausland) macht Wien damit auch zum demographisch jüngsten Bundesland.

Dieser Trend ist auch in Simmering spürbar: Im Jahr 2016 nahm die Einwohner*innenzahl um 2843 Personen zu, was relativ betrachtet ein Wachstum von 2,9% bedeutet und somit Simmering zum Platz 1 unter den Bezirken macht. Zum 1.1.2017 wurde bei der Bevölkerungzahl die 100.000er-Marke überschritten – 2 Jahre früher als erwartet. Bis 2035 soll Simmering laut jüngsten Prognosen​ ca. 113.000 Bewohner*innen haben.

1500 Wohnungen im Bau

Die große Herausforderung ist die Schaffung von leistbarem Wohnraum und entsprechender Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten oder öffentlicher Verkehr. Der aktuelle Stadtentwicklungsplan (STEP 2025) setzt vor allem auf eine Nachverdichtung (Nutzung von Brachflächen, Ausbau von Dachgeschoßen, Aufstockung von Geschoßen auf bestehenden Wohnhäusern), um Flächen- und Ressourcenverschwendung zu vermeiden.

Wer im Bezirk unterwegs ist, dem fallen die vielen Baustellen auf: Ehemalige Industrieflächen wie die Mautner-Markhof-Gründe​ oder die Hörbiger-Gründe​ im Zentralraum Simmering werden genauso umgenutzt wie ehemalige landwirtschaftliche Flächen im Gasometervorfeld (Smart Campus, Lorenz-Reiter-Straße, Nussbaumallee). Entlang der Simmeringer Hauptstraße ist die Bebauung der Freytag-Gründe​ in Gang, und auch entlang der Kaiser-Ebersdorfer-Straße und ihren Seitengassen sind zahlreiche kleinere Projekte in Umsetzung.

Etliche Projekte befinden sich gerade in Planung, wie zum Beispiel die Umnutzung der Alpha-Factory​ in der Geiselbergstraße für Wohnzwecke, die Bebauung der ehemaligen Ariadne Draht- und Kabelwerke in der Csokorgasse oder die Eisteichtürme. Insgesamt sind zur Zeit ca. 1500 Wohnungen in Bau und weitere ca. 1000 Wohnungen in Planung für Simmering.

Wichtige Impulse für den Nordwesten Simmerings gehen vom EU-Projekt „Smarter together“​ aus, welches sich unter anderem mit der thermischen Gebäudesanierung, dem Einsatz alternativer Energien und Mobilitätsformen wie Carsharing oder E-Bike befasst. Parallel dazu läuft die Blocksanierung Geiselberg​, um die Lebensqualität in den Gründerzeitvierteln und Wohnbauten der Nachkriegszeit durch bauliche Maßnahmen zu verbessern.​

Verträgliche Stadtentwicklung notwendig

Trotz dieser rasanten Entwicklung bleibt Simmering ein grüner Bezirk, dessen industrielle Komponente sowie die zahlreichen Ver- und Entsorgungsbetriebe sich in der Flächennutzung widerspiegeln: 40% der Bezirksfläche sind Grünflächen, 36% Bauland (davon ca. die Hälfte für Wohnbau und ein Drittel für Betriebe) und der Rest Verkehrsflächen und Gewässer.

Im Zuge der weiteren Stadtplanung muss jedoch der Charakter des Bezirks erhalten bleiben: Insbesondere betrifft das die Kulturlandschaft der Simmeringer Haide mit ihren Gärtnereien. Bei weiteren Wohnbebauungen dürfen keine Konflikte mit Industrie und Gewerbe entstehen, um Anrainer*innen vor Lärm, Geruch oder anderen Immissionen zu schützen. Neue große Wohnsiedlungen außerhalb des Einzugsgebiets von U-Bahn oder S-Bahn sollten definitiv nicht mehr errichtet werden. Für Kaiserebersdorf hat eine bessere Öffi-Anbindung weiterhin Priorität.   Insbesondere im Gasometervorfeld muss die Infrastruktur (v.a. Rad- und Gehwege, Grünflächen) verbessert werden, um mit dem Wachstum Schritt zu halten. Großen Stellenwert soll auch weiterhin Mitsprache und Transparenz bei Vorhaben der Stadtplanung haben.

Die Belebung der Nahversorgung muss Vorrang vor der Schaffung von Shopping Centern haben, der Leerstand insbesondere auf der Simmeringer Hauptstraße muss intensiver als bisher bearbeitet werden, auch wenn es zweifellos keine einfachen und schnellen Lösungen gibt.

Die Nachverdichtung in bestehenden Siedlungsgebieten sorgt immer wieder für Konflikte, insbesondere wenn bestehende, private Grünflächen teilweise verbaut werden (z.B. Dittmanngasse, Eisteichtürme). Maßgebend bei der Bewertung ist immer, ob der Eingriff verhältnismäßig ist (Grünflächen in Umgebung) und stadtplanerisch sinnvoll (z.B. Nähe zu U-Bahn). Durch Begrünung von Dächern können zusätzlich positive Beiträge für das Mikroklima geleistet werden.

Simmering wird in den nächsten Jahren weiter wachsen, gleichzeitig müssen die Eigenheiten des Bezirks (z.B. Dorfkerne, Grünraum, Gärtnereien) erhalten bleiben. Der Wohnbau schafft zahlreiche Arbeitsplätze und bietet in wenigen Jahren vielen Menschen ein neues Zuhause in einem grünen Bezirk. Es tut sich was in Simmering!